09.10.2018

Fünf Fragen an Claudia Knoll, Geschäftsführerin der Landesgartenschau 2018 in Würzburg

Wohnraum neu gedacht

Exkurs: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Tiny Houses zum zentralen Gestaltungselement Ihrer Schaugärten zu machen?

Claudia Knoll:Für uns sind die Tiny Houses ein bewusster Gegenentwurf zum Austragungsort der Gartenschau. Das Quartier, in dem wir den Stadtpark entwickeln, ist durch eine stark verdichtete Bauweise gekennzeichnet. Wir stellen dagegen die Frage: Wie viel Raum braucht es wirklich zum Leben?

Welcher Nutzertypus begeistert sich am meisten für die Kleinsthäuser - und aus welchen Motiven?

Es gibt diejenigen Nutzer, die ihre Wohnform der jeweiligen Lebenssituation anpassen. Denen kommen addierbare, modulare Konzepte der Kleinsthäuser entgegen. Und dann sind da vor allem junge, ortsungebundene Menschen, die keinen konventionellen Haushalt führen wollen. Das trifft vor allem auf digitale Nomaden zu, die mit ihrem Laptop überall arbeiten können. Die beziehen dann für eine bestimmte Zeit ein Tiny House, etwa am Seeufer oder Waldrand.

Welche Resonanz gibt es bisher von den Besuchern?

Der klassische Gartenschaubesucher nimmt sie zunächst nur als Gartenhäuser wahr. Die Bandbreite der gezeigten Modelle ist allerdings so groß, dass sie schnell Neugierde weckt: Vom Scheunenzitat im "Landlust"-Stil bis hin zum smarten Gebäude, in dessen Garten Licht, Musik und Mähroboter mitmischen, ist alles vertreten.

Welchen Mehrwert bieten Tiny Houses für Frischluft-Freunde? Sie sind doch ein Schritt zurück indoors.

Die Häuser sind so klein, dass man zwangsläufig viel mehr Zeit im Freien verbringt. Zwar erfüllen die Tiny Houses die Grundfunktionen des Wohnens, aber eine intensivere Nutzung des Gartens ist bei ihnen schon automatisch mitgedacht.

Können Tiny Houses auf den stetig steigenden Wohnraumdruck in unseren Metropolen eine zukunftsweisende Antwort geben?

Tiny Houses werden die Probleme des innerstädtischen Wohnungsbaus nicht lösen können - das müssen sie aber auch nicht. Wenn sie die Bedürfnisse spezifischer Nutzergruppen befriedigen, etwa als Wohndörfer für Studenten, leisten sie bereits einen wichtigen Beitrag zum Wohnen der Zukunft.