03.07.2024

Fokus Grün

Gräser im Garten eindrucksvoll inszenieren

Gräser können auch sehr anmutig in Driftformationen angeordnet werden. Mit weichhalmigen Gräsern entsteht so ein sanft fließender Effekt im Garten. Foto: BGL

Gräser haben sich einen festen Platz in der Gartengestaltung erobert. Grund dafür sind ihre Kombinationsfähigkeit - als einfache Bodendecker, Staudenpartner oder imposante Solitäre und vor allem durch die Dynamik, die sie ins Beet bringen. Zugleich macht ihre Vielfalt diese Gattung ideal für das Grundstück hinter und vor dem Haus. "Gräser sind in fast allen Regionen, Klimazonen und Lebensräumen dieser Welt zu finden. Von den Bergen Asiens bis zu den Steppen Nordamerikas", weiß Uschi App vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL).

"Deshalb gibt es für jeden Bereich des Gartens und jeden Gestaltungswunsch geeignete Arten und Sorten." Wichtig bei der Wahl der Gräser ist es daher, sowohl die Ansprüche der Pflanzen zu kennen, als auch über die klimatischen Bedingungen der eigenen Region und über die Bodenbeschaffenheit Bescheid zu wissen. Auch der Platz innerhalb des Gartens muss hier mit einbezogen werden. So eignen sich für die schattigen Bereiche unter Bäumen ganz andere Arten als für die sonnige Südseite des Hauses oder den feuchten Standort am Schwimmteich.

Auf Wuchsart achten

"Auch die Wuchsart sollte unbedingt beachtet werden", erklärt Uschi App vom BGL. "Niedrige, polsterförmig wachsende Gräser bieten sich besonders für flächige Pflanzungen an. Sie entfalten die beste Wirkung in großen Gruppen und bilden mit der Zeit eine dichte Decke." Hierfür ist der circa 15 Zentimeter hohe Blau-Schwingel (Festuca glauca) ideal. Er zeichnet sich durch einen schopfartigen Wuchs und eine intensive, blaue Farbe aus. Darf es etwas höher sein, kommt das Japan-Waldgras (Hakonechloa macra) infrage. Es bildet im Laufe von drei bis vier Jahren schmucke Horste in frischem Grün, trägt im Sommer kupferfarbene Blüten und wird im Herbst gelb-bronzefarben. Mit dieser Art lassen sich etwas lebendigere, höhere Wogen anlegen als mit dem kompakten Blau-Schwingel. Flächig gepflanzt werden die Halme wellenförmig vom Wind bewegt und wirken beinahe meditativ auf Betrachtende. Im Beet übernehmen die etwas niedrigeren Gräser die Rolle von Füllstauden und schaffen eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Pflanzen.

"Großgräser mit elegant überhängendem Blättern wirken dagegen als Solokünstler am besten und setzen weit sichtbare Akzente im Garten. Sie brauchen Platz, um sich zu entfalten und ihre imposante Gestalt vollumfänglich zeigen zu können", erklärt Uschi App vom BGL. Die verschiedenen Varianten des Silber-Chinaschilf (Miscanthus) empfehlen sich vor allem für einen Standort im hinteren Gartenbereich oder auch als Leitstaude zwischen deutlich niedrigeren Beetpartnern. Gleiches gilt für das Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) oder das Reitgras (Calamagrostis x acutiflora) mit ihren fiedrigen, effektvollen Blütenständen. Sie bieten sich auch wunderbar als luftiger, rauschender Sichtschutz nahe eines Sitzplatzes an oder können raumbildend innerhalb des Gartens positioniert werden.

Mit Gräsern gestalten

Mit Gräsern ist gestalterisch fast alles möglich. Man kann sie vergesellschaften oder ihnen eine Bühne zwischen Stauden geben; sie lassen sich wie zufällig gewachsen im Garten verteilen oder ganz bewusst in regelmäßigen Abständen als wiederkehrendes Element setzen, das Verbindung und Harmonie schafft. Sie bieten sich als leise Umschmeichler an, die im Beet den knalligen Stars der Staudenwelt ihren fulminanten Auftritt gönnen.

Aber sie übernehmen auch gerne die Hauptrolle mit ihren auffällig tanzenden Blütentrauben, die für Schwung in einer sonst eher ruhigen Pflanzung sorgen. "Gräser können auch sehr anmutig in sogenannte Drifte angeordnet werden, das sind bandartig strukturierte Gruppenpflanzungen, die sich an der Natur orientieren", erklärt Uschi App vom BGL. "Mit weichhalmigen Gräsern wie dem Mexikanischen Federgras (Nassella tenuissima) lässt sich ein sanft fließender Effekt im Garten kreieren, mit aufrechtstehenden Gräsern wie dem Japanischen Blutgras (Imperata cylindrica) bekommt das Beet einen deutlich akkurateren und lineareren Charme."

Setzt man bei Driftpflanzungen zudem auf unterschiedliche Farben und Grünschattierungen, achtet auf versetzte Blühzeiten und die Textur der Halme, können spannende Kontraste gezeichnet werden, die im Laufe des Jahres mal stärker und mal schwächer in den Blick fallen. So bietet sich dem Betrachtenden immer wieder ein neues natürliches Schauspiel im Garten. Uschi App: "Stauden setzen zwischen den Gräsern auffallende Farbakzente, schaffen mit ihren verschiedenen Blütenformen zusätzliche Diversität und locken Insekten an."

Gestalterisch ist also Kreativität gefragt, gespickt mit einer großen Portion Können. Denn so unbeschwert das Ergebnis am Ende wirken soll, so durchdacht und kompetent muss es angelegt werden. Nur dann stimmt das Gesamtbild und bleibt auch im Laufe der Jahre attraktiv. Gräser entwickeln sich, werden größer, manche bilden Horste, andere Ausläufer, wieder andere samen sich aus. Es gibt schnell wachsende und eher langsamere Arten und Sorten.

Einige haben einen eher weichen Effekt, andere erinnern an standhafte Zinnsoldaten. Hier ist das Beratungsgespräch mit Landschaftsgärtnern zu empfehlen. Die Fachleute kennen das umfangreiche Sortiment der Gräser, können die Gegebenheiten im Garten bestens einschätzen und entsprechend der individuellen Wünsche lebendige Gräserwelten anlegen. Diese verlangen zwar wenig Aufmerksamkeit, erhalten aber viel Aufmerksamkeit. BGL