24.01.2024

Markt im Monat

Starke Hydrokultur-Nachfrage bestärkt Innovationen und Nachhaltigkeit

Unverzichtbar im original Hydrokultur-System: Blähton, seit den Anfängen das anerkannte Substrat für pflegeleichtes, gesundes Pflanzenwachstum in Gefäßen. Es trumpft mit Natürlichkeit und ist "unendlich wiederverwertbar", so die Fachleute und Wissenschaftler. Foto: DGHK

Der digitale Wasserstandsanzeiger, die Pflanzenwand mit perfekter Passform für pflegeleichte Hydrokulturen, der Blähton mit 100 Jahre Garantie: Innovationen und Nachhaltigkeit sind die Kernthemen der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur (DGHK), wie die Jahreshauptversammlung zeigte.

Welche Materialien sind zukunftsfähig? Input zu dieser Frage bot das Rahmenprogramm zur Tagung, diesmal in Beckum. Der westfälische Ort ist seit 1969 Sitz von "Jago Kunststoff", wo unter anderem hochwertige Hydrokultur-Pflanzgefäße aus 100 Prozent recyceltem Polystyrol entstehen.

"Bei uns ist alles Made in Germany", sagt Christina Behrendt, Jago-Inhaberin und Vorstandsmitglied der DGHK. Sie hat eine aufwändige Umbauphase hinter sich und die Produktion mit neuesten Maschinen für die Zukunft gerüstet. "Wir setzen seit Jahren auf Nachhaltigkeit und kurze Wege. Mit einem Arbeitsschritt mehr können wir selbst recyceln und haben für unsere Kunden ein Pfandsystem eingeführt. Wer zum Beispiel einen Standort neu begrünt, gibt bei uns die alten Jago-Gefäße in den Material-Kreislauf." Vom Kunststoff gingen die Teilnehmer über zum Werkstoff Zement, der die Region über Jahrhunderte prägte. Heute gibt es dazu ein Zementmuseum und - mit Aha-Effekt - Deutschlands erstes Haus aus dem 3D-Drucker.

Das preisgekrönte Einfamilienhaus bietet 160 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Geschossen "aus einem Guss": Wie bei einer Torte trägt der 3D-Drucker Schicht für Schicht ein Betongemisch auf, aus dem die dreischaligen Wände entstehen. Ihre Kammern bieten Platz für Perlite-Dämmung aus geblähtem Voulkangestein sowie Leitungen und Anschlüsse, die der 3D-Drucker bereits vorsieht.

Die innovative Technik spart erheblich Zeit und Ressourcen ein. Die Materialmenge etwa reduziert sich im Vergleich zu anderen massiven Wandkonstruktionen bis auf die Hälfte. Leben lässt sich darin "wunderbar", wie Bewohnerin Lisa Hanhues bestätigt. Sie erlebt neben energetischen Vorteilen ein neues Raumgefühl und hat die Sichtbetonwände mit natürlichem Parkett kombiniert.

"Für solch zeitgemäßes Wohnen ist Hydrokultur das perfekte System", erklärt DGHK-Präsident Carsten-Dieter Stakalies. "Es passt in unsere zivilisierte Welt und richtet sich doch nach den ewigen Grundregeln pflanzlichen Lebens." Wichtiger Bestandteil des original Hydrokultur-Systems ist Blähton, seit den Anfängen das anerkannte Substrat für pflegeleichtes, gesundes Pflanzenwachstum in Gefäßen. Im Vergleich zu anderen Materialien trumpft es mit Natürlichkeit und ist "schier unendlich wiederverwertbar", so die anwesenden Fachleute und Wissenschaftler. "Man kann 100 Jahre Garantie darauf geben", resümierte Andreas Fornauf (Hydrokultur Rogel Raumbegrünung).

Gerade an die Raumbegrüner richtet sich eine neue App, die die "blueplant GmbH" in Köln entwickelt hat: Dank Digitalisierung sollen die Hydro-Experten, die in der Objektbegrünung oft mehrere tausend Gefäße pflegen, Zeit für Verwaltung und Routine einsparen und Raum fürs Kerngeschäft gewinnen. "Regelmäßig setzen wir neue Funktionen und Optimierungen aus dem Feedback der DGHK-Mitglieder und unserer Kunden um", schilderte blueplant-Vertriebsleiter Patrick Weilerswist.

Zum Konzept gehört auch der neue Wasserstandsanzeiger "'blue indicator", der die Prozessabläufe optimieren soll. Er wurde durch Vermittlung der DGHK gemeinsam mit "leni home design" entwickelt und als Prototyp in Beckum präsentiert.

Die Firma Leni (Gebr. Lenz GmbH), seit Jahrzehnten am Hydrokultur-Markt aktiv, ist mit ihrer Sparte Kunststofftechnik an einer weiteren Produktentwicklung beteiligt: Ein neues vertikales System für Hydrokultur "Made in Germany", das die Brandschutzbedingungen A2 erfüllt, entsteht in Kooperation mit Jago. "Parallel arbeiten wir an einem digitalen Wasserstandsanzeiger", verriet Leni-Vertriebsmanager Sebastian Knoch.

Zukunftsträchtige Entwicklungen dank effektiven Austauschs innerhalb des DGHK-Netzwerks - da ist es nicht verwunderlich, dass die Mitgliederversammlung die Vorstandspositionen, die zur Wahl standen, einstimmig im Amt bestätigt hat: Carsten-Dieter Stakalies, Neuss, bleibt Präsident und Dr. Heinz-Dieter Molitor, Geisenheim, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur.