07.09.2021

Fokus Grün

Der Traum vom pflegeleichten Vorgarten

Bodendecker breiten sich mit der Zeit flächig im Vorgarten aus und bilden eine dichte Pflanzendecke, in der wilde Gewächse kaum Platz zum Ansiedeln und Ausbreiten finden. Foto: BGL

Den Garten hinter dem Haus wünschen sich die meisten Menschen abwechslungsreich bepflanzt mit Stauden, Sträuchern und Bäumen, einer Wiese und meist auch Hecken. Der Aspekt des Pflegeaufwands kommt häufig erst an zweiter Stelle zum Tragen. "Vor dem Haus ist es dagegen meist umgekehrt", weiß Dr. Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e. V. "Der Vorgarten soll möglichst wenig bis gar keine Arbeit machen.

Irrglaube

Aus diesem Grund entscheiden sich viele Hausbesitzer seit einigen Jahren für Schotter. Er gilt als besonders pflegeleicht. Das ist zwar ein Irrglaube, aber leider einer, der sich hartnäckig hält."

Dass selten in erster Linie der persönliche Geschmack für eine Versiegelung ausschlaggebend ist, ergab auch eine repräsentative Studie, die der BGL schon 2017 in Auftrag gab. Das Ergebnis: 80 Prozent aller Befragten führten tatsächlich Pflegeleichtigkeit als Hauptmotiv für Schotter an und das, obwohl ihnen grüne, lebendige Bepflanzungen durchaus gut oder sogar besser gefielen.

"Mit unserer Initiative 'Rettet den Vorgarten' setzen wir uns seitdem verstärkt dafür ein, mit dem Mythos des arbeitsarmen Schotters aufzuräumen und zugleich die vielfachen Vorteile grüner Gestaltungen hervorzuheben. Fakt ist: Pflanzen sind weit mehr als 'nur' schön. Sie kühlen in heißen Sommern die Luft und schaffen auf diese Weise ein angenehmes Klima direkt am Haus. Sie schlucken Schall und verringern so die Lautstärkebelastung im Wohnort. Bepflanzte Flächen speichern Wasser und verhindern auf diese Weise bei Starkregenfällen eine Überlastung der Kanalisation und damit einhergehende Überschwemmungen. Nicht zuletzt bieten sie Tieren und Insekten wie Bienen Nahrung und Lebensraum und sind wichtiger Trittstein für die Vernetzung von Ökosystemen", hebt Henze hervor. "Und - standortgerecht und durchdacht bepflanzt - sind grüne Vorgärten auch deutlich pflegeleichter als graue."

Unerwünschte Wildkräuter

Denn Schotterflächen machen durchaus Arbeit. Das zeigt sich vor allem jetzt im Frühsommer. Die Samen, die im letzten Jahr zwischen die Steine geweht wurden, wachsen nun zu unerwünschten Wildkräutern heran. Dazwischen ist Unrat zu finden, der ebenfalls mühsam von Hand entfernt werden muss. Wer diese Arbeit vermeiden möchte, dem raten Landschaftsgärtner zu Bodendeckern. Sie breiten sich mit der Zeit flächig aus und bilden eine dichte Pflanzendecke, in der wilde Gewächse kaum Platz zum Ansiedeln und Ausbreiten finden. Bodendecker gibt es sowohl bei den Stauden, Halbsträuchern, Sträuchern als auch unter den Gehölzen.

Das Angebot ist vielfältig und bietet für alle Standortansprüche, Lichtverhältnisse und auch jeden persönlichen Geschmack ein breites Sortiment. Es gibt Exemplare für die Sonne, den Schatten, manche sind trittfest, andere blühen eindrucksvoll oder bilden schmückende Früchte. Am bekanntesten sind Efeu (Helix), Zwergmispel (Cotoneaster) oder das kleine Immergrün (Vinca minor). Aber auch Blaukissen (Aubrieta), Polster-Thymian (Thymus praecox) und Waldmeister (Galium odoratum) bieten sich an.

Selbst mit Gräsern können Landschaftsgärtner dichte, attraktive Pflanzdecken anlegen. Viele Arten sind immergrün und müssen nur einmal im Jahr geschnitten werden. Foto: BGL

Selbst mit niedrigwachsenden Gräsern können Landschaftsgärtner dichte, attraktive Pflanzdecken anlegen. Viele Arten sind immergrün und müssen nur einmal im Jahr geschnitten werden. Im Anschluss treiben sie bereits nach wenigen Wochen wieder aus. Es gibt Gräser für schattigere Vorgärten, wie Seggen (Carex) oder das Japanwaldgras (Hakonechloa). Für sonnenverwöhnte Flächen sind dagegen das Liebesgras (Eragrostis) oder das Federgras (Stipa) ideal. Abwechslung im Gesamtbild schaffen standortgerechte Gehölze, Stauden und Zwiebelpflanzen, die aus den Bodendeckern hervorwachsen.

"Natürlich ist auch bei solchen extensiven Bepflanzungen etwas Arbeit notwendig", erklärt Dr. Michael Henze vom BGL. "Ohne Pflege geht nichts - das gilt sowohl für Pflanzen als auch für Steine! Aber wenn der Vorgarten lebendig, professionell und durchdacht angelegt wurde, verursacht er weniger Arbeit als jede geschotterte Fläche. Darüber hinaus gibt es in ihm immer wieder Neues zu entdecken. Jede Jahreszeit schmückt sich mit anderem Blattwerk, Blüten und Früchten. Es duftet und raschelt. Bienen, Hummeln und Vögel schaffen zusätzliche Freude beim Betrachten. Selbst auf der kleinsten abwechslungsreich begrünten Fläche vor dem Haus gibt es viel Leben. Das hat man bei eintönigem, unveränderlichem Schotter nicht. Er ist und bleibt monoton und langweilig."

BGL