17.03.2021

Pflanzen und Pflanzgefäße

Vertikale Pflanztonne: Urban Farming mit erdlosen Kulturen

Sieben Ebenen hohe vertikale Pflanztonne auf einem Rollständer mit Revisionsklappe. Foto: aponix

Bisher waren erdlose Systeme eher im professionellen Gartenbau auf den großen Gewächshausflächen zu finden. Bei Hobby-Gärtnern waren solche Systeme bisher eher bei Tüftlern zu sehen. Dies hat damit zu tun, dass man sich beim Betrieb mehr mit den notwendigen Bedingungen aus der Perspektive der Pflanze beschäftigen muss als während der Saison draußen im Garten; ganz besonders wenn man sein System im Innenraum oder sogar mit künstlichem Pflanzlicht betreibt, was in der Wintersaison als Alternative auch möglich wäre.

Eine Lösung für den Einstieg in die Hydroponik bietet die vertikale Pflanztonne von der Firma aponix. Was im Gartenbau zumeist für effiziente Abläufe in der Fläche über sogenannte NFTs (Nutrient Film Technique) oder in DWC-Systemen (Deep Water Culture) immer in 2D gemacht wird, wurde für die vertikale Pflanztonne in eine 3D-Variante übersetzt, die man auch in Form einer einzelnen Einheit aufbauen und betreiben kann.

Wie funktioniert eine erdlose Kultur? Ein NFT-Kanal ist im Prinzip eine oder mehrere lange Röhren mit etwas Gefälle und Löchern zum Einlegen der Pflanzen. Über eine Zeitschaltung wird alle 90 Minuten für 15 Minuten ein Film einer rezirkulierenden Nährflüssigkeit durch diese Röhren vorbei an den Wurzeln der eingesetzten Pflanzen geleitet. Die Flüssigkeit wird in einem Reservoir gesammelt in das sie durch die Schwerkraft wieder von den Pflanzen zurück fließt. Aufgabe des Gärtners ist es nun, den pH-Wert, den Nährstoffgehalt, Sauberkeit und Temperatur der Flüssigkeit sicherzustellen. Außerdem benötigt man starke Jungpflanzen, die in das System eingebracht werden. Als Standard hat sich als Substrat hier Steinwolle etabliert, da sie sich leicht mit der Nährflüssigkeit vollsaugt, diese aber wieder gut ablaufen lässt, um die Wurzeln wieder mit dem notwendigen Sauerstoff zu versorgen. Es kommen derzeit auch einige alternative Substrate unter anderem auf Jute- oder Hanf-Basis auf den Markt, die den gleichen Zweck erfüllen.

Flüssigkeit gleichmäßig verteilen

Die Vertikale Pflanztonnen vereint eine Menge von hydroponischen Pflanzplätzen ein einem einzelnen "Turm" auf weniger als einem Quadratmeter oder wie der Hersteller sie nennt, einer "Tonne", da der Durchmesser größer ist als bei den alternativen Tower-Lösungen, die es sonst noch auf dem internationalen Markt gibt.

Der Ständer stellt als geschlossener Bottich mit 35 Litern Fassungsvermögen das Reservoir dar, in den eine handelsübliche Aquarium-Tauchpumpe eingelegt wird. Diese ist im Innenbereich über einen Kugelhahn und einen Schlauch mit dem Oberteil, dem sogenannten Wasserpuffer verbunden, der noch einmal mit einem Deckel abgedeckt wird. Eine Zeitschaltuhr lässt die Nährflüssigkeit rezirkulieren. Im Inneren stellt ein Flügelsystem sicher, dass die Flüssigkeit gleichmäßig an allen Pflanzplätzen im Bereich der Wurzeln vorbei läuft und sich die Pflanze die notwendigen Nährstoffe und Feuchtigkeit in dieser Zeit holen kann. Interessant ist, dass das System modular aus einem einzelnen Ringsegment-Bauteil aufgebaut ist, mit dessen Hilfe man aus sechs dieser Bauteile einen vollständigen Ring mit zwölf Pflanzplätzen für je einen 5-Zentimeter-Netztopf-Pflanzplatz bereitstellen kann. Die Anzahl der gestapelten Ringe beziehungsweise Ebenen ist variabel. Wenn nicht alle Pflanzplätze aktiv sind, kann man diese mit einer Abdeckung blind schalten.Statt der normalen Einweg-Netztöpfe, gibt es zur Tonne auch einen wiederverwendbaren Pflanzeinsatz - den Plug-Pot, der zusätzlich bei Bedarf noch einen Rankgitter-Einschub bietet.

Der Innenraum beim Zusammenbau mit Pumpe und Schlauch. Fotos: aponix Foto: aponix

Es lassen sich essbare kleine Pflanzen wie Salate, Senfblatt, Mangold, Basilikum etc. anbauen, und natürliche auch Blumen und dekorative Pflanzen einsetzen. Das System kann bei uns in Deutschland zwischen Mai und September im Außenbereich aufgestellt und betrieben werden, um das Sonnenlicht zu nutzen. Im Winter kann es auch im Innenraum mit Pflanzlicht eingesetzt werden. Ideal sind hier Wintergärten oder kleine Gewächshäuser.

Für jeden gärtnerisch Interessierten kann ein solches System ungeahnte Einsichten und Erkenntnisse in die Gartenbaupraxis bieten. Neben der Frische der Kräuter und Salate ist auch noch zu erwähnen, dass man hier diverse eher unbekannte Sorten für den Eigenbedarf produzieren kann, die sonst nicht im Supermarkt erhältlich sind. Ein sehr interessantes Feld zum Experimentieren und Lernen.

Die Bauteile werden in Deutschland gefertigt, sind lebensmittelecht und aus dem Kunststoff ASA gefertigt, der eine sehr hohe Langlebigkeit und UV-Beständigkeit bietet.