01.03.2021

Dr. Andrea Brill hat sich umgeschaut, welche Pflanzenneuheiten die Gartenbetriebe 2021 präsentieren – auch ohne Messen

Nachhaltigkeit in prächtigen und ausdrucksvollen Formen und Farben

In seiner filigranen Struktur ist das buschig wachsende, immergrüne Ziergras Festuca Sunrise mit gefärbten Blütenstandstrieben eine weitere Neuheit des Jahres 2021. Foto: www.baldur-garten.de

Natürlich und glücklicherweise werden in diesem Jahr auch ohne Gartenmessen Innovationen auf den Markt gebracht. Auch wenn diese noch nicht sofort in realer Form zu bestaunen sind, sollen hier ein paar Highlights vorgestellt werden.

Immer häufiger sieht man Gräser in Gärten und öffentlichen Parkanlagen. Die Trendpflanze ist eine Antwort auf die heißen Sommer der letzten Jahre. In seiner filigranen Struktur ist das buschig wachsende, immergrüne Ziergras Festuca Sunrise mit gefärbten Blütenstandstrieben eine Neuheit des Jahres 2021. Die Gräser wachsen zirka 30 Zentimeter hoch (während der Sommer-Blüte bis zu 50-70 cm) und die dunkelgrünen Blätter werden im Herbst und im Winter an den Spitzen rosarot; so entsteht die Illusion eines Sonnenaufgangs. Festuca Sunrise (Festuca Miedzianobrody) setzt als Solitär oder in Gruppen gepflanzt im Staudenbeet und im Steingarten südliche Akzente. Aber auch in Kübeln ist die winterharte Pflanze ein Hingucker. Sie blüht von Juni bis Juli in kleinen Blütenständen. Die mehrjährige, pflegeleichte Pflanze bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und einen durchlässigen Boden, sie verträgt aber auch schlechte Böden und Wasserknappheit und ist frostbeständig.

Bei diesem Pflanzenduo wachsen zwei Petuniensorten in einem Topf. Foto: www.baldur-garten.de
Die Blüten von Lilie Must See (Lilium asiatic) kommen in unterschiedlichen Farben, mal mehr Weiß, mal Orange oder im Mix. Foto: www.baldur-garten.de

Unter den diesjährigen Neuheiten findet sich eine Besonderheit in einem Pflanzenduo: Zwei Petuniensorten wachsen in einem Topf. Baldur-Garten bringt sie unter dem Namen "Sputnik" im Frühjahr auf den Markt. In den Farben Karminrot und Blauviolett mit gelblich-weißen Sprenkeln erinnern sie an einen Sternenhimmel. Die halbhängend buschig wachsende Sommerblume hält sich über viele Monate auf Balkon oder Terrasse. Das frisch grüne Laub setzt einen gelungenen Rahmen für das Farbmuster in Balkonkästen und Kübeln. Das im 12-Zentimeter-Topf gelieferte Sommerblumen-DUO Sputnik fühlt sich wohl an einem sonnigen bis halbschattigen Standort.

Eine Reise in die Ferne suggeriert die Neuheit Lilie Must See (Lilium asiatic), eine Lilie, die man einfach sehen muss. Die Blüten kommen in unterschiedlichen Farben, mal mehr Weiß, mal Orange oder im Mix. Entweder als Gartenblume oder als Schnittblume verwandelt die duftende Lilie Gärten und Blumensträuße in ein einmaliges Blütenmeer. Die asiatische Lilie fasziniert mit ihrer Blütenpracht entweder im Kübel gepflanzt oder auch auf Balkon und Terrasse. Die Blütezeit der Lilie Must See ist von Juli bis August. Die winterharten, mehrjährigen Lilienzwiebeln lieben einen sonnigen bis halbschattigen Standort und wachsen 80 bis 100 Zentimeter hoch. Die Blumenzwiebeln sollten zirka 10 bis 15 Zentimeter tief in nährstoffreichen, durchlässigen Boden eingepflanzt werden.

Blühfreudig und pflegeleicht

Üppige Blütenpracht im Garten oder öffentlichen Park verspricht eine Hortensien-Hecke, wie Forever & Ever Hortbux (Hydrangea macrophylla); sie verdankt ihren Namen ihrer zügellosen Blühfreude und Pflegeleichtigkeit. Diese Neuzüchtung blüht am ein- und mehrjährigen Holz, was zu einer enormen Pracht der Ballhortensie mit wunderschönen, üppigen Blüten führt. Sie hält auch Fehlern beim Rückschnitt stand und trotzt mit einer starken Blühwilligkeit, womit ist sie auch für ungeübte Gärtner geeignet ist. Mit ihrem kompakten, blütenübersäten Wuchs passt diese Hortensie auch perfekt in Pflanzkübel auf Balkon und Terrasse. Aber auch als niedrige Hecke im Garten kann die Bauernhortensie als malerische Abgrenzung dienen. Die Hortensien-Hecke wird zirka 1 Meter hoch und blüht durchgehend von Juni bis in den Oktober. Sie braucht wenig Pflegeaufwand und bevorzugt als winterharte, mehrjährige Pflanze einen halbschattigen bis schattigen Standort mit durchlässigem, humosem und nahrhaftem Boden, der stets feucht sein sollte.

Diese Hortensien-Neuzüchtung blüht am ein- und mehrjährigen Holz, was zu einer enormen Pracht der Ballhortensie führt. Foto: www.baldur-garten.de

Die Neuheiten 2021 bereichert zudem das Salix-Stämmchen Hakuro Nishiki. Es ist ein origineller Blickfang besonders wegen seines auffälligen Laubes, das im Frühjahr weiß-rosa austreibt. Im Sommer färben sich die Blätter grün, bleiben aber cremeweiß gefleckt und das Stämmchen gewährt so die Illusion, in voller Blüte zu stehen. Das Salix-Stämmchen Hakuro Nishiki (Salix integra), das auch als Harlekinweide oder Zierweide bekannt ist, schmückt in Einzelstellung den Garten und ist ein Blickfang im Kübel vor Hauseingang, auf Balkon oder Terrasse. Mit einer Stammhöhe von 60 Zentimetern plus Krone ist die Harlekin-Weide auch für kleine Gärten und Vorgärten ideal geeignet. Es gedeiht an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Die mehrjährigen, winterharten Pflanzen haben keine hohen Ansprüche an den Boden und einen geringen bis mittleren Wasserbedarf und Pflegeaufwand. Ein Rückschnitt im Spätsommer oder Herbst dankt die Weide im Folgejahr mit einer üppigen und farbenprächtigen Belaubung.

Das Salix-Stämmchen Hakuro Nishiki ist ein origineller Blickfang besonders wegen seines auffälligen Laubes, das im Frühjahr weiß-rosa austreibt. Foto: www.baldur-garten.de

Ein farblicher Akzent für Gärten und Parks liefert eine andere Neuheit, die Bergamotte-Indianernessel "Pummel", Monarda fistulosa var. menthifolia. Klein und kompakt wachsend erreicht "Pummel" Höhen von 50 bis 60 Zentimetern. Zur Blütezeit im Juli erscheint sie wie ein rosa überlaufener kleiner Busch. Standfest und gesund hält sie sich bis in den Herbst hinein. Als bis -15 Grad Celsius winterharte Pflanze gedeiht sie üppiger auf nahrhaften Böden. Mit rosa und violetter Blütenfarbe im Juni bis Juli und mehrjähriger Form bietet sie für Bienen, Hummeln und Schmetterlingen herrlichste Nahrung. Die bis zu 50 bis 60 Zentimeter hoch wachsende Bergamotte-Indianernessel wird im Frühjahr/Herbst gepflanzt und bevorzugt sonnig-halbschattige Plätze.

Einen Hauch von Provence liefert hingegen der Limonen-Thymian, Thymus fragrantissimus "Limone", im kommenden Sommer. Eigentlich in mittleren Höhen der lichten Kiefernwälder der Provence auf lockerem Kalkgestein zu Hause, kann der zitronige Limonenthymian mit hellrosa Blüten auch in heimischen Gärten, wenn es sich um extra drainierte, sonnige Standort handelt, gedeihen und ist sogar bis -15 Grad Celsius winterhart. Gepflückt eigenen sich die Blätter als Tee, der intensiv duftet und schmeckt. Die zartrosa Blütenfarbe erscheint im Mai bis Juni und zieht Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. An Pflanzenhöhe erreicht der Limonen-Thymian 20 Zentimeter.

Dufttulpe

Ebenfalls wohlduftend ist die Dufttulpe "Angelique" - Tulipa "Angelique", die zu den duftenden, paeonienblütigen Tulpen zählt. Sie hat zahlreiche, leicht gewellte, in rosa Tönen spielende Blütenblätter, die den Kelch füllen und beim Öffnen die gelben Staubgefäße freigeben. Die äußerst haltbare Schnittblume blüht relativ spät von April bis Mai. Auf der Blumenzwiebel Geophyt erreicht sie besonders an sonnigen Plätzen eine Pflanzenhöhe von 45 Zentimetern und wird im Herbst gepflanzt.

Auch für 2021 sind wieder verschiedene Pflanzen zu Pflanzen des Jahres gekürt worden: Als Staude des Jahres 2021 wird die Schafgarbe (Achillea) mit ihrer naturhaften Ausstrahlung, einem attraktiven, oft wandelbaren Farbspiel und der stetig wachsenden Spannbreite geehrt.

Schafgarbe ist beliebt

Die Schafgarbe erfreut sich schon seit längerem wachsender Beliebtheit, insbesondere seit den Bemühungen des großen Staudengärtners Ernst Pagels (1913-2007), der bereits in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts einige hervorragende und wertvolle Sorten gezüchtet hat. Der Wandel hin zu Beetgestaltungen mit natürlichen Pflanzengemeinschaften hat den Wert dieser robusten, züchterisch nur behutsam bearbeiteten Stauden nochmals ins Auge gerückt. Hinzu kommen ökologische Aspekte wie Widerstandsfähigkeit gegen Klimaänderungen und Insektenfreundlichkeit. Denn Schafgarben sind wenig anspruchsvoll, kommen mit sommerlicher Trockenheit gut zurecht und stellen nahezu alle ein üppiges Nektar- und Pollenangebot zur Verfügung. In der Gattung Achillea erreichen die Korbblütler vielseitige Formen und Höhen zwischen 10 Zentimetern wie bei der Griechischen Silber-Garbe (Achillea umbellata) bis zu 150 Zentimetern messenden Gold-Schafgarben (Achillea filipendulina).

Der deutsche Name weist darauf hin, dass die Schafgarbe gerne von Schafen gefressen wird, die botanische Bezeichnung Achillea millefolium weist dagegen auf ihre medizinisch wirksamen Eigenschaften hin, die bereits nach der Legende schon der namengebende griechische Held Achilles kannte. Die Artbezeichnung millefolium (Tausendblatt) bezieht sich auf die unzähligen grazil gefiederten Blättchen. Die Schafgarbe breitet sich durch Ausläufer moderat aus, bevorzugt warme und sonnige Plätze und hält damit auch den aktuellen sommerlichen Trockenperioden stand. Der Boden sollte durchlässig und gut, aber nicht zu üppig mit Nährstoffen versorgt sein, denn ein Überangebot an Stickstoff würde sich auf die Standfestigkeit auswirken.

Die Schafgarbe erscheint in unterschiedlichsten Blütenformen. Das kräftige Rot der jungen Blüten der Sorte "Belle Epoque" beispielsweise wandelt sich allmählich zu zartem Rosa, während die Sorte "Petra" mit einem dunklen, samtigen Rotton besticht, der später nur wenig aufhellt. Das farbliche Zusammenspiel neuer und älterer Blüten der Sorte "Lachsschönheit" sei noch erwähnt, deren anfangs warmer Lachston allmählich über Rosa zu Weiß verblasst. Besonders schön ist zudem die farbintensive Pagels-Sorte "Walter Funcke", deren kompakter Wuchs auf einen Erbanteil von Achillea millefolium hinweist. Sie hat graugrünes Laub, das in reizvollem Kontrast zum leuchtenden Orangerot der jungen Dolden steht, die nach und nach immer weiter aufhellen.

Die Schafgarben-Sorte "Lachsschönheit" verwandelt ihren anfangs warmen Lachston allmählich über Rosa zu Weiß. Foto: Staudengärtnerei Gaißmayer

Gewellte Kanten

Die Kakteengesellschaften Deutschland, Österreich und Schweiz (kakteen.org) haben in diesem Jahr die Drachenfrucht zum Kaktus des Jahres 2021 gewählt. Sie zählt zur Kakteenart Hylocereus undatus, die 1830 von dem englischen Botaniker Adrian Haworth beschrieben wurde und wohl aus Südmexiko stammt, heute jedoch in den gesamten Subtropen heimisch ist.

Hylocereus undatus bildet bis zu 5 Meter lange Triebe mit meist drei Rippen, die gewellte Kanten haben. Die Pflanzen sind auf eine Stütze angewiesen und wachsen angelehnt an Bäumen, Büschen, Felsen und Mauern. Die weißen Blüten erscheinen entlang des gesamten Triebes und zählen zu den größten Blüten aller Kakteengewächse mit einem bis zu 30 Zentimeter großem Durchmesser. In der Abenddämmerung öffnen sie sich und am frühen Morgen des nächsten Tages schließen sich wieder. Die Blütenpracht währt allerdings nur eine Nacht. Dies führt dazu, dass Hylocereus undatus oft mit der Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus) verwechselt wird. Die Drachenfrucht werden durch Motten, Nachtfalter und in geringem Umfang auch Vögel bestäubt. Nach drei bis vier Monaten entwickeln sich dann bis zu 9 Zentimeter lange und 5 Zentimeter dicke, tonnenförmige Früchte, die außen rot gefärbt sind, während das Fruchtfleisch wässrig weiß erscheint. Der Name Drachenfrucht (engl. dragonfruit) wurde aus den großen Schuppen auf den Früchten entlehnt, die an die Flügel von Drachen erinnern. Häufig findet man die Früchte auch unter der Bezeichnung Pitahaya oder Pitaya auf Märkten oder im Handel. Die Früchte werden vor allem als Nahrungsmittel genutzt. Heute werden sie in großen Plantagen in Südostasien (hauptsächlich Vietnam und Thailand), Israel, China und Nicaragua angebaut und in alle Welt exportiert.

Eine Neuheit von Landgard sind in diesem Jahr Callunen, die die Landgard-Mitgliedsbetriebe in 2021 großflächig anbauen und ab Juni im Handel erhältlich sein werden. Die farbstarken Heidegewächse erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Heute gibt es allein 200 verschiedene Sorten der Besenheide, die so richtige Farbe in den Herbstgarten bringen. Callunen sorgen für eine farbenfrohe Auflockerung, gerade wenn der Herbst naht. Ganz gleich ob im Garten oder in der Wohnung - wenn es im Herbst allmählich dunkler wird, wollen die Menschen einfach etwas Peppiges haben. Und da liegen Callunen klar im Trend, besonders wenn sie mit einem stimmigen Marketingkonzept verbunden sind. In der zweiten Saison baut der Grefrather Familienbetrieb Besenheide die Marke "Beauty Ladies" an. Rund 300 000 Callunen von Schmidt Gartenbau werden in dieser Saison über Landgard vermarktet.

Attraktiv gestalten

Der eigene Garten hat als Rückzugsort derzeit gerade angesichts der Corona-Krise Hochkonjunktur. Mit nachhaltigen Konzepten und Produkten kann er noch grüner und attraktiver gestaltet werden. Gerade in den letzten Monaten haben viele Menschen gemerkt, wie glücklich sie sich schätzen können, wenn sie ein eigenes Stückchen Garten haben, das sie individuell gestalten können. Dies ist für die Grüne Branche eine Chance, um Gartenliebhabern zu zeigen, wie sie mit cleveren Produkten und Konzepten ihren Garten noch nachhaltiger aufblühen lassen können.

So hat Landgard zusammen mit seinen Mitgliedsbetrieben das Konzept "Pflanz den Topf" entwickelt und in der Praxis getestet. Unter dem Motto "100 Prozent plastikfrei" sind die darunter angebotenen Produkte komplett kunststofffrei. Beliebte Beet- und Balkonpflanzen wie Calibrachoa, Dahlia, Dianthus, Petunia, Verbena oder Gemüsepflanzen wie verschiedenen Tomaten- und Gurkensorten wachsen in kompostierbaren, plastikfreien Töpfen. Sie werden mit eingepflanzt und zersetzen sich nach einiger Zeit in der Erde.

Für die Landgard-Mitgliedsbetriebe gewinnt Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung, was sich in der Entwicklung eigener umweltfreundlicher Konzepte und Marken widerspiegelt. Ein Beispiel dafür ist "Ökolino" von Bert Schmitz Gartenbau und Kreisig Gartenbau. Unter dem nachhaltigen Verkaufskonzept bieten die beiden Erzeugerbetriebe ein breites Sortiment beliebter Beet-, Balkon-, Sommer- und Herbstpflanzen im 13er-Topf an - von Strohblumen und Bidens über Coleus und Tagetes bis hin zu Lavendel, Heuchera und Astern - mit denen Verbraucher bei der Gartenarbeit Abfall vermeiden und wertvolle Rohstoffe schonen können. Alle Verpackungen wie Etiketten und Töpfe bestehen bei Ökolino aus recycelten Rohstoffen und können über das Altpapier wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden.

"Nachhaltige Ideen müssen so einfach wie möglich sein, nur dann überleben sie den Alltag", wie Tristan Heinen-Bizjak, Betriebsleiter im Gartenbaubetrieb Schmitz, erklärt. Bei Ökolino ist das ganz leicht: Alles, was an der Pflanze dran ist, kann in die Altpapiertonne. Während ihrer Kulturdauer wachsen die Produkte aus dem Ökolino-Sortiment torfreduziert in Mehrweg-Kulturtöpfen heran, die immer wieder neu verwendet werden können. So setzen die beiden Gartenbaubetriebe vom Niederrhein von der Aufzucht bis zum Verkauf auf die Schonung wertvoller Ressourcen. Auch dadurch haben die Ökolino-Produkte die Auszeichnung mit dem Landgard Nachhaltigkeitssiegel als "Zertifiziertes nachhaltiges Produkt" verdient.