20.02.2021

Marketing, BWL

Fehlendes Mundbild in der Kommunikation

Eine Maske wirkt wie ein Sprachfilter: Töne und Sprache werden beeinträchtigt, das Hören und Verstehen komplexer bis unmöglich. Foto: terzo

Die Mund-Nasen-Bedeckung bestimmt (wieder) weite Teile unseres Alltags. Im Business möchte man sagen: Gut, dass es sie gibt. Denn statt komplett runterzufahren oder alle ins Home-Office zu schicken, gehen immer mehr Unternehmen dazu über, Mitarbeiter, Partner, Kunden, Lieferanten und so weiter durch Abstands- und Hygieneregeln sowie ein strenges Maskengebot zu schützen. Das ermöglicht heute und auch in absehbarer Zukunft das Meeting oder den Kundenbesuch, welche im Frühjahr 2020 noch unmöglich schienen.

In den letzten Monaten hat Corona das Leben aller Menschen auf verschiedenste Weise beeinflusst. Gerade seit Mitte Oktober verstärken sich explodierende Inzidenz-Werte und regionale De-Facto-Lockdowns. Ob die Entwicklung wellenförmig oder statisch weiterverlaufen wird: Abstandsregeln sowie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung - so viel dürfte allen klar sein - werden uns noch über einen längeren Zeitraum begleiten. Das stellt uns vor Herausforderungen, die den meisten zwischen Neuinfektionen und immer neuen Maßnahmen vielleicht gar nicht bewusst waren oder sind: Denn unsere Kommunikation wird durch die Maske massiv erschwert.

Wir machen es nicht bewusst, aber dennoch nehmen wir kontinuierlich die Gesichtsregungen unseres Gesprächspartners auf - und bewerten diese. Bedecken wir große Teile des Gesichts, wie beim Gebrauch einer Mund-Nasen-Bedeckung, sehen wir nur noch die Augen; nahezu alle weiteren Gesichtsregungen, die unsere Mimik ausmachen und Emotionen transportieren, entfallen. Es wird ungleich schwieriger, sein Gegenüber dann zu verstehen und einzuschätzen, so terzo Insitut.

Für Menschen mit Hördefizit äußert sich das fehlende Mundbild besonders drastisch - es wird fast unmöglich, den anderen zu verstehen. Hörgeschädigte sind auf das Lippenbild angewiesen - unabhängig davon, ob sie bereits mit Hörgeräten versorgt sind oder (noch) nicht. Für sie verändert sich das soziale Leben und Miteinander durch die Maskenpflicht demnach noch viel tiefgreifender als für "normal Hörende". Und: Ihre Kommunikation wird zusätzlich erschwert. Nach einigen Wochen fanden sich vereinzelt Masken mit Sichtfenster im Mundbereich - eine Erleichterung, aber längst keine nachhaltige Lösung (für Menschen mit behandelbarer Hörminderung).

Eine kürzlich publizierte Studie zeigt, dass eine Maske wie ein Sprachfilter wirkt: Töne und Sprache werden beeinträchtigt, das Hören und Verstehen komplexer bis unmöglich. Eine herkömmliche medizinische Maske reduziert die hohen Frequenzen (2 kHz bis 7 kHz) um 3 bis 4 Dezibel (dB), eine N95- beziehungsweise FFP2-Maske sogar um fast 12 Dezibel - das entspricht ungefähr dem Rascheln von trockenem Laub, durch das man läuft. Die in vielen Geschäften als ergänzende Schutzmaßnahme aufgestellten Plexiglaswände minimieren das Hören und Verstehen durch die Schalldämpfung zusätzlich.

Hohe Hürde

Für Schwerhörige stellen diese Maßnahmen eine hohe Hürde in ihrer täglichen Kommunikationsfähigkeit dar. Für manch anderen mag es den idealen Vorwand bieten, sein eigenes schlechtes Hören zu rechtfertigen - wer gibt schon gerne zu, dass er nicht mehr gut hört?

Tatsächlich lässt sich ein Hörverlust noch relativ lange nach Bemerken/Auftreten kompensieren, indem Betroffene zur Unterstützung des Verstehens das Mundbild lesen. Mit einem Schlag - Corona - entfällt dieses Kompensationsmittel komplett.

Liegt das schlechte Verstehen nun wirklich an den schalldämpfenden Masken und Plexiglaswänden? Im Fall von Unsicherheit empfiehlt sich eine Überprüfung des Gehörs durch HNO-Arzt und/oder Hörakustiker. Dann klappts nicht nur im Alltag besser, sondern sicher auch beim nächsten Meeting oder Videocall - mit und ohne Maske.