29.01.2021

Markt im Monat

Besucherrekord beim digitalen IVG Forum Gartenmarkt

Der Futurologe Max Thinius prophezeite, dass Gärten in der Digitalisierung einen neuen persönlichen und gesellschaftlichen Stellenwert erhalten. Foto: IVG

Bereits im vergangenen Jahr erreichte das IVG Forum Gartenmarkt - damals als physisches Treffen in Düsseldorf - mit rund 280 Gästen einen Besucherrekord. Obwohl die Veranstaltung in diesem Jahr Corona-bedingt in den digitalen Raum verlegt werden musste, konnte das IVG Forum Gartenmarkt des Industrieverband Garten (IVG) e. V. mit über 300 registrierten Gästen seinen alten Rekord erneut einstellen. Das Vortragsprogramm hatte das Motto "Grün, grün, grün sind alle meine Farben?" und stand ganz im Zeichen des Themas Nachhaltigkeit.

"Die hohe Teilnehmerzahl zeigt, wie beliebt das IVG Forum Gartenmarkt in der Grünen Branche ist", resümierte Anna Hackstein, IVG Geschäftsführerin, nach der Veranstaltung.

Markt und Digitalisierung

Mit mit Alexander Graf, Geschäftsführer der Spryker Systems GmbH, betrat der erste Referent des Tages die digitale Bühne. In einer Art Ping-Pong-Spiel mit Anna Hackstein beantwortete Graf Fragen zum Thema Gartenmarkt und Digitalisierung. Er ging unter anderem darauf ein, wie sich Unternehmen immer wieder neu erfinden müssen, um zu überleben.

So ging es beispielsweise darum, ob Pflanzen und andere Gartenprodukte sich für den Online-Handel eignen. "Es gibt viele Produkte, insbesondere Pflanzen, die in Zukunft lokal gekauft werden", antwortete Graf. Er warnte aber davor, dass die "Deutungshoheit" darüber, wo Kunden einkaufen, in eine andere Richtung geht. Auf die Frage, ob der Trend zur direkten Interaktion von Herstellern mit dem Konsumenten geht, antwortete Graf: "Wer nur über den Händler Kontakt zum Endverbraucher hat, verliert langfristig."

In ihrem Vortrag "Unser Klima gestern, heute und morgen" ging Dr. Christina Koppe, Referatsleiterin beim Deutschen Wetterdienst, auf die aktuell beobachteten und für die Zukunft projizierten Änderungen des Klimas ein und setzte dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Pflanzen. Dr. Koppe machte deutlich, dass die Reaktionen der Pflanzen auf die stattfindende Erwärmung sehr unterschiedlich ausfallen werden. Da es in Mitteleuropa zwar generell wärmer wird, aber auch vereinzelte kalte Winter und Kälteperioden nicht auszuschließen sind, sollten Unternehmen in Zukunft Sorten anpflanzen, die eine relativ hohe Toleranzspanne haben. Zudem werde ein gutes Wassermanagement in Zukunft immer wichtiger.

Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz, stellte in seinem Vortrag "Nachhaltige Verpackungslösungen bei Werner & Mertz" die Recyclat-Initiative des Unternehmens vor. Mit dieser Initiative hat das Unternehmen gezeigt, dass hochwertiges Recycling zu Kunststoffverpackungen nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip nicht nur möglich ist, sondern auch wirtschaftlich umgesetzt werden kann. "Werner und Mertz war das erste Unternehmen, das Kunststoffe aus dem gelben Sack so aufbereitet hat, dass sie ohne Qualitätsverlust wieder in Verpackungen eingesetzt werden können. Und zwar bis zu 100 Prozent", so Glaz. Er betonte, wie wichtig es für das Unternehmen sei, eine Haltung ein- und Verantwortung zu übernehmen.

Neuer Stellenwert

Wird die Digitalisierung unseren Garten umgraben und wenn ja, wie? Auf diese Frage ging der Futurologe Max Thinius in seinem kurzweiligen Vortrag "Die Zukunft des Gartens denkt anders" ein. Er prophezeite, dass Gärten in der Digitalisierung einen neuen persönlichen und gesellschaftlichen Stellenwert erhalten und im ländlichen, suburbanen und urbanen Umfeld zu Zentren der Lebensqualität wie auch des ökologischen Ausgleichs werden. Dabei gehe es weniger um Zierde und familiäre Entspannung - der Nutzen des Gartens trete wieder in den Vordergrund. Neben Zierpflanzen, wird also auch angebaut. "Gärten werden außerdem zukünftig an allen möglichen Orten sein, und das nicht mehr nur in der klassischen Form", so Thinius. Thinius' positives Resümee lautet: "Wir stehen vor einer Renaissance der Gärten in großer Vielfalt."

Die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bewegen Deutschland auch in Zeiten von Covid-19. In ihrem Vortrag "Green Future - wie der 'Greta-Effekt' die Einstellung der Konsumenten verändert" zeigte Julia Lange, Senior Consultant Consumer Insights bei der GfK, auf, wie groß der Öko-Trend ist und wie sich die Ansprüche der Konsumenten in den vergangenen Jahren verändert haben.

In ihrem Beitrag beantwortete Lange unter anderem die Frage, was der umweltbewussten Zielgruppe wichtig ist und wie Unternehmen diese am besten ansprechen. Sie riet den Firmen unter anderem authentisch und transparent zu sein, das Vertrauen in die eigenen Produkte zu steigern und positive Erfahrungen zu ermöglichen. Damit lieferte Lange in ihrem Vortrag den Unternehmen aus der Grünen Branche eine wichtige Informationsgrundlage für ihre Strategie bei den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Als Keynote-Speakerin beendete Britta Steffen, Doppel-Olympiasiegerin im Schwimmen, das erste digitale Forum Gartenmarkt. In ihrem Vortrag "Heute unser Morgen besser machen" setzte auch sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander und schlug dabei einen Bogen zu ihrer eigenen Biografie.

Nachhaltig leben

Als Doppel-Olympiasiegerin im Schwimmen und als studierte Wirtschaftsingenieurin eröffnete sie einen ganz neuen Blick auf das Thema. Anhand des Leitspruchs ihres Vortrags "Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten" von Tagore zeigte Steffen auf, wie man auch als Einzelner nachhaltiger leben und damit den Klimawandel und die Umweltbelastung eindämmen kann.