02.03.2020

Mehr Besucher und höhere Internationalität

Gute Stimmung auf der IPM Essen 2020

Der Anteil ausländischer Besucher lag in diesem Jahr bei über 40 Prozent. Foto: Messe Essen

Die 38. Internationale Pflanzenmesse IPM Essen blickt auf vier sehr erfolgreiche Messetage zurück: Insgesamt 1538 Aussteller aus 46 Ländern präsentierten vom 28. bis zum 31. Januar 2020 ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Pflanzen, Technik, Floristik und Ausstattung. Die Messe Essen war erneut wichtigster Treffpunkt der weltweiten grünen Branche. Über 54 000 (2019: 52 800) Besucher aus über 100 Ländern informierten sich über Trends und orderten Ware für die kommende Saison. Klimawandel und Nachhaltigkeit waren mehr denn je die bestimmenden Themen der Weltleitmesse des Gartenbaus.

B ereits 2019 gaben die Aussteller an, dass die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel die Branche zukünftig am meisten beeinflussen werden. "Der Gartenbau hat im Kontext der Klimadiskussion enorm an Relevanz gewonnen und für begeisterte Stimmung in den Messehallen gesorgt. Die grüne Branche hat auf der IPM Essen 2020 eindrucksvoll ihren Innovationsgeist und ihre Leistungsstärke demonstriert", resümiert Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen. Was im letzten Jahr schon an vielen Stellen zu sehen war, war auf der diesjährigen IPM Essen omnipräsent: Ob umweltfreundliche Verpackungen, klimatolerante Neuzüchtungen, insektenfreundliche Pflanzen zur Förderung der Biodiversität, luftreinigende Grünpflanzen, Pflanzkästen mit integriertem Wasserspeicher oder Torfersatzstoffe - der internationale Gartenbau zeigte eindrucksvoll seine Innovationskraft. Auch im Bereich Technik standen energieeffiziente Produktionsverfahren und zukunftsweisende digitale Technologien im Vordergrund.

Lobende Worte für die Branche fand Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die die IPM Essen feierlich eröffnete.

Das Bewusstsein der Verbraucher dafür, dass lebendes Grün wichtig für Mensch, Tier und Umwelt ist, steigt. Gleichzeitig avancieren Pflanzen immer mehr zu Lifestyle-Produkten. In einer schnelllebigen und digitalen Welt wird der Garten zur entschleunigenden Wohlfühloase. Insgesamt gaben die Deutschen im vergangenen Jahr 8,9 Milliarden Euro für Blumen und Pflanzen aus - ein Plus von 2,7 Prozent zum Vorjahr und der höchste Wert seit 2011. Die Pro-Kopf-Ausgaben stiegen von 105 Euro auf 108 Euro an, wie der Zentralverband Gartenbau (ZVG) im Rahmen der IPM Essen 2020 bekannt gab.

"Wer Biodiversität will, kommt am Gartenbau nicht vorbei", betonte ZVG-Präsident Jürgen Mertz in seiner Eröffnungsrede. "Mit Stauden, Gehölzen sowie Beet- und Balkonpflanzen bietet die Branche eine enorme Vielfalt und Insektennahrung. Insektenschutz hängt aber nicht nur von den Betrieben, sondern auch vom Verbraucher ab. Das ist eine große Chance für die Branche." Deutliches Potenzial nach oben sieht Mertz beim nichtprivaten Verbrauch.

Kommunen stehen vor der Herausforderung, Städte grüner zu machen. Zukunftsfähige Gehölzsortimente sind hier besonders gefragt. Dass der Informationsbedarf groß ist, machte die rege Beteiligung am Seminar "Nachhaltigkeit in der Kommune gestalten" deutlich. Im Fokus standen Berichte aus der Praxis der Freilandplanung. Bei einem anschließenden Rundgang über die Messe wurden den Teilnehmern Zukunftsbäume vorgestellt. Die Informationsveranstaltung wurde von der Stiftung Die Grüne Stadt und dem Bund deutscher Baumschulen organisiert und fand im Rahmen des EU-Projekts "Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa" statt.

Partnerland Frankreich

Auch Frankreich unterstützt das nachhaltige Projekt der Staatengemeinschaft. Die "Grande Nation" präsentierte sich als Partnerland der IPM Essen. In der Halle 6 zeigten Züchter und Jungpflanzenproduzenten, in der Halle 7 Baumschulen die vielfältige Bandbreite des französischen Gartenbaus.

Einige der bekanntesten und markantesten Pflanzenspezialitäten, die das Land hervorbringt, sind Rosen, Obstbäume, Rhododendren, Kamelien, Hortensien, Alpenveilchen, Chrysanthemen, Lavendel, Inkalilien und Dahlien. "VAL'HOR, der Branchendachverband der französischen Gartenbauindustrie, fühlt sich geehrt, Partnerland der IPM Essen 2020 gewesen zu sein. Diese Partnerschaft war eine großartige Gelegenheit, unsere französischen Züchter, ihren Sinn für Qualität und Innovation sowie unseren ,French Touch' zu präsentieren. Unser Credo 'Pflanzen sind lebensnotwendig' trifft den Zeitgeist und wird in Zukunft sicherlich immer mehr zutreffen. Die IPM Essen ist zweifellos die international führende Messe und die ideale Plattform, um kurz vor Saisonbeginn alle Akteure unserer Branche zu treffen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr", zieht Mikaël Mercier, Präsident von VAL'HOR, Bilanz. Für die 2021er-Ausgabe der IPM Essen plant Mexiko, sich als Partnerland der Weltleitmesse zu engagieren.

"Wir müssen wieder stolz sein auf das, was wir tun." Trendscout Romeo Sommers inszenierte im IPM Discovery Center in Halle 7 die Helden der grünen Branche in Form von pfiffigen POS-Konzepten. Die Präsentationen im "Gartencenter der Zukunft" orientierten sich an aktuellen Trends und berücksichtigten Erkenntnisse zum Kaufverhalten. Neben Themen wie Online-Services und Mehrwert durch Neuzüchtungen standen innovative Recyclingsysteme und Nachhaltigkeit im Fokus.

Die Halle 1A verwandelte sich wieder in die Green City. Während es im Infocenter Gartenbau um Beratung zu allen gartenbaulichen Fragen wie etwa Pflanzenschutz und Pflanzenpass ging, die Lehrschau den Wandel der grünen Branche aufzeigte und das Neuheitenschaufenster die innovativsten Pflanzen-Novitäten - darunter eine Erdnuss für Beet und Balkon - präsentierte, erlebten die Fachbesucher in der FDF-World Live-Shows mit internationalen Floral-Designern der Extraklasse, offene Workshops und inspirierende Showsrooms zu den aktuellen Interieur-Trends "street savage", "blended culture" und "inner retreat".

Helmuth Prinz, Präsident des Fachverbands deutscher Floristen - Bundesverband (FDF): "Wir haben die IPM Essen 2020 als starken Motor einer Branche erlebt, die selbstbewusst florales Handwerk präsentiert, sich zunehmend vernetzt und Kräfte bündelt. Das internationale Interesse war enorm. Für unser neues Standkonzept mit zentraler Showbühne und die innovativen floralen Präsentationen der FDF-World gab es sehr viel positive Kritik. Unsere Partner räumen den Themen Nachhaltigkeit und faire Produktion großen Spielraum ein - das kommt bei den Floristen gut an und bietet starke Verkaufsargumente."

Stegreif-Floristik

In der ersten Runde der FDF-FlowerBattle überzeugte Floristmeister Josef Dirr aus Baden-Württemberg das Publikum mit spontaner Stegreif-Floristik und wurde zum Sieger gekürt.

Die Halle 1A verwandelte sich wieder in die Green City. Foto: Messe Essen

Beim Showdown am Freitag konnte Maria Dmitrovich von der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan die FlowerBattle für sich entscheiden. Den begehrten IPM-Messe-Cup sicherte sich die Auszubildende Luisa König vom Blumenhaus am Hofgarten, Düsseldorf. Der Anteil ausländischer Besucher lag in diesem Jahr bei über 40 Prozent. 2019 reisten 38 Prozent der Messegäste aus dem Ausland in die Ruhrmetropole. Dabei konnte der Anteil der Entscheider ausgebaut werden. Über 72 Prozent der Besucher (2019: 69) verfügten über Einkaufs- und Beschaffungskompetenzen.

94 Prozent der Messegäste würden einen Besuch der IPM Essen weiterempfehlen. 92 Prozent der Besucher und 93 Prozent der Aussteller planen eine erneute Teilnahme, ergab eine Umfrage unter den Besuchern. Die nächste Ausgabe der Weltleitmesse des Gartenbaus findet vom 26. bis zum 29. Januar 2021 in der Messe Essen statt.