04.03.2020

Andrea Brill war für Garten&Freizeitmarkt auf der IPM in Essen unterwegs

Blütenpracht trotzt dem Klimawandel

Einen Schwerpunkt bildete Japan mit beeindruckenden Wolkenschnittbäumen, die bis zu drei Meter hoch maßen. Aber auch die Topfkultivierung des japanischen Bonsai stand im Mittelpunkt. Foto: Andrea Brill

Vom 28. bis 31. Januar öffnete die Messe in Essen wieder ihre Tore für die Weltleitmesse der grünen Branche IPM. Mit mehr als 1500 Ausstellern aus knapp 46 Ländern präsentierten der Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) zusammen mit der Messe Essen und dem Landesverband Gartenbau Nordrhein-Westfalen e. V. sowie dem Fachverband deutscher Floristen e. V. Neuzüchtungen und Neuheiten bei Pflanzen, Technik und alles was die Branche bewegt.

Obwohl die Temperaturen während der Messe winterlich waren, drehte sich vieles um den Klimawandel und die steigende Erderwärmung, die sich massiv auf die Pflanzenwelt auswirkt. So hatte man den Eindruck - nicht nur beim Gang durch die Hallen der südeuropäischen Nachbarn Spanien und Italien, sondern generell, dass die Angebote an robusten südlichen, hitzeresistenten Pflanzen und Gehölzen wesentlich breiter war als in den vergangenen Jahren. Olivenbäume, Zypressen, Sukkulenten, Kakteen, Zitronenbäume, also südliche Pflanzen, die immer mehr auch für nördlichere Gegenden angesichts der wärmeren Temperaturen und heißeren Sommer interessant werden, sie fanden umfangreiche Präsentationsflächen. Einen Schwerpunkt bildete hier auch Japan mit beeindruckenden Wolkenschnittbäumen, die bis zu drei Meter hoch maßen. Aber auch die Topfkultivierung des japanischen Bonsai stand im Mittelpunkt.

In diesem Jahr war unser französischer Nachbar Partnerland. Die Franzosen präsentierten ihre Neuheiten auf größerer Fläche vor allem in Halle 6. So waren hier typische Pflanzen zu sehen, die aus dem reichhaltigen Schatz des traditionellen französischen Gartenbaus resultieren: Rosen, Obstbäume, Rhododendren, Kamelien, Hortensien, Chrysanthemen oder Dalien. Aber auch der französische Gartenbau setzt sich mit dem Klimawandel auseinander und vor allem besonders in großen Städten wie Paris, Lyon Nantes und Nizza sind kluge Lösungen gefragt. Dort gibt es aber auch bereits erfolgreiche Konzepte.

Nachhaltige Produkte

In vielen Bereichen zeigte sich sehr stark, wie die Branche vom Klimawandel betroffen ist. Denn die Nachfrage nach ressourcenschonenden und nachhaltigen Produkten steigt. Auch die Verpackungen sind mehr und mehr umweltfreundlich. Weitere Maßnahmen bestehen in Substraten, bei denen der Torfanteil immer weiter minimiert wird. Auch Konzepte für energiesparende Gewächshäuser wurden präsentiert. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärte bei ihrem Besuch auf der IPM, dass das Ministerium all diese Anpassungen unterstütze und bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen wolle. So wird das Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz fortgesetzt, für das 156 Millionen Euro bis zum Jahr 2023 eingeplant sind. Zudem fördert das Ministerium gezielt die Umstellung auf erneuerbare Energien sowie Forschungsprojekte zum nichtchemischen Pflanzenschutz, zur Digitalisierung und zum Torfersatz. Der Gartenbau sei ein zentraler Bestandteil der deutschen Agrarwirtschaft, wie die Ministerin erklärte.

In der Kategorie "Gehölze" entschied sich die Jury für die Rhododendron-Hybride HAPPYdendron 'Pushy Purple' der Firma INKAHRO GmbH. Diesen Rhododendron zeichnet seine besondere dreifarbige Blüte aus: lila mit weiß und gelber Mitte. Foto: IPM
Der Rosenzüchter Kordes zeigte seine Schönheiten in allen Farbnuancen. Foto: Andrea Brill

Trotz aller Unkenrufe wegen der heißen Sommer konnten die Besucher aber auch eine enorme Blütenpracht erleben. Der Rosenzüchter Kordes zeigte seine Schönheiten in allen Farbnuancen, Rhododendren schmückten zuhauf und in unzähligen Variationen die Messehallengänge in ihrer schönsten Blütenpracht und natürlich auch die üppig blühenden Hortensien. Im Neuheitenschaufenster in Halle 1A waren die Neuzüchtungen zu sehen, von denen die besten prämiert wurden. Aus insgesamt 60 Einreichungen von 36 Ausstellern kürte die Fachkommission nach der Begutachtung am Vorabend der Messe die Sieger. In der Kategorie "Beet- und Balkonpflanze" wurde mit der Arachis hypogaea Just Peanuts Justmore von der Firma Lubera AG aus der Schweiz erstmals eine Erdnuss ausgezeichnet.

Als beste "Blühende Zimmerpflanze" erhielt der Rhododendron simsii Magisnow Winter Beauty der Firma Hortibreed NV Hortinno aus Belgien die Auszeichnung "IPM Neuheit 2020". Sie hat eine ungewöhnliche Blüte, die sich über einen Zeitraum von vier Wochen von einem grün-weißen Knospenball zu einer Spinnenblüte entwickelt. In der Kategorie "Gehölze" entschied sich die Jury für die Rhododendron-Hybride HAPPYdendron 'Pushy Purple' der Firma INKAHRO GmbH. Diesen Rhododendron zeichnet seine besondere dreifarbige Blüte aus: lila mit weiß und gelber Mitte. Als beste Staude hat die Jury in diesem Jahr die Agapanthus 'Poppin Purple' der Firma Plantipp BV prämiert. Diese Schmucklilie hat sehr intensive lila Blüten, zudem verträgt sie sowohl hohe als auch niedrige Temperaturen. In der Kategorie Frühjahrsblüher machte die besonders bienenfreundliche Erysimum Hybride 'Winter Charme' der Firma Kientzler Jungpflanzen aus Gensingen/Deutschland das Rennen. Der duftende Frühblüher lockt schon sehr früh im Jahr Insekten in den Garten und bietet ihnen Nahrung. Die Fragaria x ananassa Duch F1 Summer Breeze Snow von ABZ-Seeds aus den Niederlanden überzeugte in der Kategorie "Kübelpflanzen".

Traditionelle Floristenschau

Die subtile Pracht der Blume war natürlich auch Thema der traditionellen Floristenschau des Fachverbands Deutscher Floristen in der Halle 1A. Dieses Mal war der Auftritt mit Überraschungen gespickt, denn die Blumenarrangements wurden von lebenden Modells präsentiert - sei es als überdimensionale Halskrause aus Blüten oder in Form eines Pfauenschwanzes als Schleppe. Bekannte internationale Floristen wie Timo Bolte aus Österreich, die Britin Laura Leong, Dominique Herold aus Deutschland, Hans Zijlstra aus den Niederlanden und der Belgier Stefan van Berlo stellten ihre Arbeit live vor und erklärten die Besonderheiten ihres faszinierenden Berufs. Das beeindruckende Resultat sind wahre Kunstwerke, die in filigranen Arrangements Phantasien wecken und in ferne Gefilde führen.

Dieses Mal war der Auftritt bei der Floristenschau des FDF mit Überraschungen gespickt, denn die Blumenarrangements wurden von lebenden Modells präsentiert – wie hier als überdimensionale Halskrause aus Blüten. Foto: Andrea Brill

Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie finden sich in vielen unterschiedlichen Bereichen, wie beispielsweise beim torffreien Biodünger von Bioterra. Die Sorten bestehen überwiegend aus regionalen nachwachsenden Rohstoffen, wie ausgesuchte Rinden, sind organisch aufgedüngt und eignen sich insbesondere für den ökologischen Garten- und Landbau. Auch bei der Packung verwendet Bioterra umweltschonende Materialien. Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der Methode, Schädlinge durch tierische Gegenspieler, also Mikroorganismen auszuschalten. Das Unternehmen Biobest widmet sich der Entwicklung von biologischen Systemen für nachhaltigen Pflanzenbau. Es hat eine ganze Palette an Mikroorganismen im Angebot, die je nach Schädlingsbefall eingesetzt werden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Biobest fahren wie Hausärzte bundesweit zu den Gartenbetrieben, wo sie die befallenen Pflanzen behandeln. Anstatt des Einsatzes giftiger Pestizide können die Pflanzen so auf ganz natürliche und biologische Weise von den Schädlingen geheilt werden. Im Rahmenprogramm der Messe konnten sich die Besucher bei Vorträgen oder Seminaren über innovative Entwicklungen und Ideen fortbilden. In einem Seminar des Bund Deutscher Baumschulen im Rahmen des Projekts "Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa" wurde das Thema "Nachhaltigkeit in der Kommune" behandelt. Insbesondere Kommunen müssen sich auch angesichts der Klimadiskussion um neue Konzepte der Stadtbegrünung bemühen. Die Baumschulen suchen hier nach Lösungen durch die Kultivierung von hitzeresistenten Baumarten.

Einen neuen Trend bei den Pflanzengefäßen bilden natürliche Materialien wie Holz und Stein, aber auch Glasbehälter gewinnen an Attraktivität. Foto: Andrea Brill

Zukunftsthemen

Mitarbeiter von Gartencenter und dem Einzelhandel konnten sich im Speakerscorner über Zukunftsthemen für Florisitk weiterbilden. Die Referenten vom FDF Manfred Hoffmann und Oliver Ferchland verdeutlichten, wie stark die Branche und besonders auch der Handel vom Klimawandel betroffen ist - nicht nur was die Pflanzen als solches betrifft. Denn die Bildsprache hat sich massiv verändert zu einer stärkeren Einfachheit, das Produkt steht im Zentrum, das Interior dagegen tritt in den Hintergrund. Ein anderer Aspekt ist das Storytelling, das immer wichtiger wird. Die Kunden möchten Geschichten rund um die Blume erfahren. Grund dafür sei die gegenwärtige Zeit des großen Umbruchs. Einerseits will man mehr Ruhe, auch das Auge, daher die Reduktion im Ästhetischen, andererseits verlangt die Krisenlage nach Informationen. Die Kunden wollen informiert sein, den gesamten Prozess um die Pflanze verstehen, das Gartencenter wird quasi als verantwortliche Instanz betrachtet. Das ist aber auch die Chance für den Einzelhandel, wie die Referenten erklären, denn mit einer bewussten Zielgruppenorientierung kann der Handel den Kunden genauso für sich gewinnen. Die neuen Anforderungen für den Blumeneinzelhandel liegen in mehr Emotion, Nachhaltigkeit, Storytelling, Regionalität, Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Wie ein Gartencenter war ein Stand im IPM Discovery Center aufgebaut. Besucher konnten ihn betreten und Neuheiten bestaunen wie Dekorationen, Vasen, Töpfe in neuen ästhetischen Designs. Einen neuen Trend bilden hier natürliche Materialien wie Holz und Stein, aber auch Glasbehälter gewinnen an Attraktivität.

Die große Bandbreite der Messe zeigte sich in der breiten Aufstellung an Ausstellern, wie Baumschulen, Friedhofsgärtnerei, Garten- und Landschaftsbau, Gemüse- und Obstbau, Staudengärtnerei oder Zierpflanzenbau. An Technik waren Innovationen bei Gewächshäusern, Bewässerungs- und Düngesystemen zu bestaunen.

Die Zukunft liegt in exotischen Baumsorten. Foto: Andrea Brill