21.08.2019

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Nützlingspilz Trichoderma erobert Privatgärten

Der Nützlingspilz erobert auch die privaten Hobbygärten.

Im biologischen Landbau ist Trichoderma schon länger als Pflanzen stärkendes, Pilzen vorbeugendes, Mittel bekannt und im Einsatz. Nun erobert der Nützlingspilz, dank des Schweizer Unternehmens MycoSolutions, auch die privaten Hobbygärten. Wer kennt sie nicht, lästige Pilzerkrankungen wie Mehltau, Rost, Schwarzflecken etc. an diversen Pflanzen. Bei den meisten Pilzinfektionen ist eine Behandlung nur im Anfangsstadium oder präventiv wirklich erfolgreich.

Symbiotische Beziehung

Trichoderma harzianum ist ein Nützlingspilz, der mit der Pflanze eine symbiotische Beziehung eingeht. Er wächst zwischen die ersten beiden Zellschichten der Wirtswurzel und aktiviert dort die Produktion von Botenstoffen wie Salicylsäure. Abkömmlinge der Salicylsäure spielen eine zentrale Rolle im Abwehrsystem, wenn es um Schadpilze geht. Auch die Bildung von Jasmonsäure wird angekurbelt - diese ist im Zusammenspiel mit Salicylsäure ebenfalls von hoher Bedeutung bei Abwehrreaktionen von Pflanzen gegenüber Schädlingen. Die Bildung von Phytoalexinen (eine Art Antikörper) wird so gesamthaft stimuliert und ermöglicht eine Begrenzung des Befalls. Trichoderma hält sich vorzugsweise in den ersten 20 bis 30 Zentimetern des Bodens auf, präimmunisiert die Pflanze gegenüber Schadpilzbefall und ernährt sich von totem organischen Material und/oder Hyphen von Schadpilzen. Die Zellwände der gegnerischen Hyphen werden von Trichoderma mithilfe von Enzymen aufgelöst und der Inhalt als Nahrung genutzt. Trichoderma kann auch in Form einer Sporensuspension auf der Pflanze angewendet werden. Je nach Witterungsverhältnissen ist das Behandeln in niederschlagsfreien Perioden ratsam, da es ansonsten die Sporen von den Oberflächen spült. Trichoderma überlebt, je nach Feuchtigkeit und Nährstoffgrundlage und dank der schnellen Reproduktionszyklen bei Temperaturen unter 30 Grad Celsius auch über der Erdoberfläche und wirkt auf oberirdischen Pflanzenteilen vorbeugend.

Pflanzenstärkung beginnt bei der Vielfalt im Boden. Je ausgewogener das mikrobielle Gleichgewicht im Boden und die Nährstoffverfügbarkeit ist, umso weniger anfällig ist die Pflanze auf Stress in Form von Hitze und Schaderregern.

Trichoderma harzianum ist ein Nützlingspilz, der mit der Pflanze eine symbiotische Beziehung eingeht.

Stimulierend

Trichoderma harzianum selbst produziert Wachstumshormone, sogenannte Auxine. Ein wichtiges Auxin ist das Indol-3-Essigsäure, welches in allen Pflanzen vorkommt. Dieses wirkt stimulierend auf das Wachstum von Pflanzen und insbesondere deren Wurzeln. Die Auxine werden von Trichoderma an die Pflanze weitergegeben. In Trockenzeiten profitiert die Pflanze von einem dichten Wurzelstock, da dieser auch als Wasserspeicher dient. Auf diese Weise beugt Trichoderma harzianum Trockenstress vor, hilft beim Anwachsen an neuen Standorten und unterstützt bei einem Verpflanzungsschock.

Die im Boden vorhandenen Nährstoffe werden durch Trichoderma harzianum besser verfügbar gemacht. Durch organische Säuren, die Trichoderma harzianum absondern kann, wird lokal der pH-Wert reduziert und die Löslichkeit von Phosphaten, Eisen und Mikronährstoffen erhöht. Das führt zur besseren Versorgung der Pflanze. Grundsätzlich gilt bei Trichoderma: Besser kleinere Mengen oft anwenden, als eine grosse Menge auf einmal. Damit wird das Ziel erreicht, über einen längeren Zeitraum die Pflanze und insbesondere deren Wurzeln gleichmässig zu besiedeln sowie eine stabile Population aufrecht zu erhalten.

Eine Anwendung im Herbst wappnet die Pflanze vor etwaigem Schadpilzbefall. Frühzeitig ausgebracht kann sich Trichoderma erfolgreich etablieren. Im Frühjahr oder bei wärmeren Temperaturen im Winter - welche gern mit viel Feuchtigkeit verbunden sind - also ideal für Pilzbefall - kann dann Trichoderma Schadpilze verdrängen, sobald diese ebenfalls geeignete Bedingungen vorfinden.