03.06.2019

Fokus Grün

Ökologie und Effizienz im Betrieb erfolgreich verbinden

Die Versandstraße mit Scanner ist eine Arbeitserleichterung. Foto: Bischoff Rhodokulturen

Seit 1994 produziert Bischoff Rhodokulturen auf 5 Hektar Container- und auf 5000 Quadratmeter Gewächshausfläche Rhododendron-Jungpflanzen für Kunden im In- und Ausland. Jährlich werden inzwischen etwa 750000 Jungpflanzen von Hybriden und Yakushimanum im 1-Liter-Container sowie rund 125000 Pflanzen als Halbfertigware im 2-Liter-Container in den Größen 10/15, 15/20 und 20/25 kultiviert. Die Rhododendron werden ausgetopft auf CC-Karren ausgeliefert und können somit direkt beim Kunden an die Topfmaschine wandern - just-in-time, perfekt angepasst an eine zügige Weiterproduktion.

Zeitsparendes Verladen

Um zukünftig noch effizienter arbeiten zu können, wurde bei Bischoff in den vergangenen zwei Jahren kräftig investiert. So wurde 2017 die neue, lichtdurchlässige Versandhalle offiziell in Betrieb genommen. Mit rund 1000 Quadratmetern ist sie fast viermal so groß wie die vorherige. Die integrierte Verladerampe ermöglicht ein ebenerdiges und damit zeitsparendes Verladen. Die südliche Dachfläche ist mit Photovoltaik ausgestattet, die den produzierten Strom ins Baumschul-Stromnetz einspeist. Etwa 55000 Kilowatt-Stunden pro Jahr werden auf diese Weise produziert. 15000 Kilowatt-Stunden werden benötigt, um den Baumschulbetrieb am Laufen zu halten; der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist.

Nachdem die Halle pünktlich zum Saisonstart 2017 in Betrieb genommen wurde, gab es im Inneren 2018 zwei technische Erweiterungen. So wurde die Topfmaschine um eine neue Abstreumaschine mit Wasserstraße ergänzt. Mit dem neuen System wird hier nun Abhilfe geschaffen. Der Mulch, aus nachhaltig produziertem Nadelholz, wird auf das Substrat sämtlicher Töpfe aufgetragen und verhindert, dass sich Wildkraut überhaupt erst bilden kann. Durch das Befeuchten mit Wasser bekommt er das nötige Gewicht. "Lediglich leichte Nässe reicht aus, damit sich der Mulch als feste Schicht niederlegt und somit beim Transport der Pflanzen nicht herunterfällt", erklärt Hajo Bischoff das Prinzip. 2019 wird sich der Erfolg der Maßnahmen durch eine Reduzierung der Wildkrautbildung zeigen.

Optimierte Konzeption

Ebenfalls 2018 in Betrieb genommen, wurde die gemeinsam mit Klarmann und Wijburg entwickelte Versandstraße. "Wir haben uns das Beste herausgepickt und mit Unterstützung beider Unternehmen umgesetzt", so Inhaber Hajo Bischoff. Rund 60 000 Euro wurden dafür investiert. Durch die optimierte Konzeption hat jeder Mitarbeiter - aktuell sind es elf - an der neuen Versandstraße einen festen Arbeitsplatz. Ein Scanner übernimmt die Sortierung der Pflanzen; es können ca. 2500 Jungpflanzen pro Stunde auf diese Weise anhand genau programmierter Kriterien sortiert werden. Unter anderem misst der Scanner das Volumen der Pflanzen. Mussten zu kleine Pflanzen vorher per Hand nach optischen Gesichtspunkten aussortiert werden, erfolgt dieser Vorgang nun automatisiert aufgrund der exakt programmierten Vorgaben. "Die neue Versandstraße mit dem Scanner liefert eine extreme Arbeitserleichterung und ist bei uns im Betrieb gut einsetzbar, da wir mit einer Kultur in nur zwei Topfgrößen arbeiten", erklärt Bischoff. Insgesamt rechnet der Betrieb durch die neue Technik langfristig mit einer Zeitersparnis von 30-40 Prozent bei der arbeitsintensiven Versandarbeit.

Nach anfänglicher Skepsis ist das Feedback der Mitarbeiter durchweg positiv. Sie profitieren von den erleichterten und standardisierten Arbeitsabläufen. Der Kritik des Einsparens von Personal hält Bischoff gezielt entgegen. "Gutes Personal ist heutzutage schwer zu bekommen. Durch die automatisierten Abläufe können wir die Ressourcen unserer festen Mitarbeiter für andere wichtige Arbeiten einsetzen." Insgesamt 15 fest angestellte Mitarbeiter zählt der Betrieb heute. In der Saison wurden bisher rund 25 Kräfte benötigt. Durch die neue Versandstraße sollen es künftig fünf weniger sein. Nachdem sie 2018 erfolgreich ihre erste Saison durchlaufen hat, sind für 2019 weitere Verbesserungen geplant: So werden beispielsweise die ergonomischen Bedingungen für die Mitarbeiter durch die Integration von Anti-Ermüdungsfußmatten an den festen Arbeitsplätzen optimiert.

Verzicht auf Herbizide

Bestens abgerundet wird der technische Neuauftritt bei Bischoff durch das 2017 fertig gestellte, beheizbare Rovero Roll-Air Haus. Die Besonderheit: Das 2000 Quadratmeter große Rovero wurde gebraucht eingekauft, von Hoffmann vor Ort montiert und nach den Anforderungen von Bischoff entsprechend technisch erweitert.

Die technischen Erweiterungen integrieren sich in die nachhaltige Unternehmenskultur bei Bischoff. So verzichtet das Unternehmen vollständig auf den Einsatz von Herbiziden und Neonicotinoiden. Sämtliche Wildkrautbildung in den Pflanzen wird sorgfältig von Hand entfernt und die Wege werden mit einer Wildkrautbürste sauber gehalten. Biologischer Pflanzenschutz ist eine Selbstverständlichkeit und es kommen Substrate mit einem Torfersatzanteil von 25 Prozent zum Einsatz.

Überhaupt kommt in Punkto Nachhaltigkeit Stillstand bei Bischoff Rhodokulturen nicht in Frage. So plant Inhaber Hajo Bischoff bereits weitere Maßnahmen wie beispielsweise ein mit Biogas befeuertes Blockheizkraftwerk, um die 5000 Quadratmeter Gewächshausfläche mit Wärme zu versorgen. Der erzeugte Strom wird wiederum ins öffentliche Netz eingespeist. Da auch die meisten Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden, kann somit eine nahezu klimaneutrale Produktion gewährleistet werden.