01.02.2019

IPM Essen 2019

Wunsch nach Regionalität als Herausforderung

Die Konsumenten haben Lust auf "Grün" und Garten. Nicht umsonst berichtet der Verband Garten- und Landschaftsbau von einem regelrechten Boom bei Privatgärten, aber auch öffentlichen und halböffentlichen Aufträgen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß.

Die Auftragslage und Planungssicherheit der Betriebe wird als gut bis hervorragend eingeschätzt. Hier ein kurzer Überblick über die Tendenzen in der grünen Branche.

Für das Stadtklima

Wie wichtig Bäume und Pflanzen für das Stadtklima sind, hat sich im Sommer 2018 gezeigt. Ihre Funktion und Bedeutung als Schattenspender, Feinstaubfilter und Kühlung im Mikroraum wurde vielen Verbrauchern bewusst. Insofern ist es konsequent und richtig, dass der Bund für das grüne Städtebauförderungsprogramm "Zukunft Stadtgrün" insgesamt 50 Millionen Euro für die Begrünung der Städte und die nachhaltige Verbesserung des Stadtklimas bereitstellt.

Groß- und Einzelhändler berichten davon, dass Blumen und Pflanzen sowie Gärten allgemein wieder stärker im Trend liegen. Dieser Trend würde durch die Medien positiv verstärkt, indem sie es durch unterschiedliche TV-Formate immer aufmerksamkeitsintensiver präsent halten würden. Gerade Lifestyle-Formate wie Kochsendungen würden das Interesse an frischem Gemüse und Kräutern vor allem bei jüngeren Generationen steigern.

Hochwertige Produkten

Auffällig ist, dass sich der Trend zu hochwertigen Produkten auch 2018 verstärkt hat. Im Einzelhandel wurden größere und hochwertige Pflanzen zur Abgrenzung zum Massenmarkt besonders nachgefragt. Ebenso berichten deutsche Großhändler und die niederländische Vermarktung Plantion, dass Zimmerpflanzen - insbesondere Grünpflanzen - zunehmend wieder in Mode kommen würden. Die positive Entwicklung der letzten Jahre bei Stauden innerhalb des Marktsegments der Gartenpflanzen setzte sich auch 2018 fort. Bei Stauden wurde in der Nachsaison der Beet- und Balkonpflanzen hervorragende Nachfrage festgestellt.

Blumen und Pflanzen als Geschenk erfreuen sich bei den verschiedenen Konsumententypen laut Aussage der Facheinzelhandelsgärtner wieder einer größeren Beliebtheit. Diese Beobachtung wird auch durch Erhebungen der Royal FloraHolland über ihre hauseigene Marktforschung für Deutschland bestätigt. Im Rahmen eines Konsumenten-Trackers, bei dem wöchentlich rund 700 wechselnde Konsumenten in Deutschland zu ihrem Blumen- und Pflanzenkauf befragt werden, stellte sich heraus, dass das Blumengeschenk seine Attraktivität in den letzten vier Jahren wieder habe steigern können. Der Anteil der Blumensträuße im Preissegment über 20 Euro, die im Blumenfachgeschäft gekauft würden, habe in Deutschland laut Royal FloraHolland in den letzten vier Jahren um 9 Prozent zugelegt.

Der Hype der eigenen Anzucht und Ernte von Gemüsepflanzen ist ungebremst. 2018 wurde noch einmal Wachstum gespürt. Allein bei Tomatenpflanzen konnten an deutschen Großmärkten vereinzelt Mengenentwicklungen von bis zu 50 Prozent plus im Vergleich zum Vorjahr beobachtet werden.

Vielfalt nimmt deutlich zu

In den letzten Jahren konnte zunehmend beobachtet werden, dass die Sortimentsvielfalt zu Lasten von Massenartikeln abnahm. Dass die Nachfrage der Verbraucher durch eine größere Sortimentsvielfalt positiv beeinflusst werden kann, zeigt jedoch das Beispiel der Viermarschlanden: Dort haben 2018 viele Rosenproduzenten auf Grund von Beschränkungen im Pflanzenschutz ihre Produktion in Teilen umgestellt und bieten wieder traditionellen Sommerflor an. Hierdurch nimmt die Vielfalt deutlich zu, die wiederrum zu einem Umbesinnen der Floristen führt. Sie arbeiten mit plötzlich wieder am regionalen Markt verfügbarer Ware und setzen diese bewusst zur Differenzierung ein. Floristen und Einzelhandelsgärtner berichten, dass Verbraucher diese Schnittblumen wieder neu für sich entdeckt hätten. Auf der Suche nach Verkaufsmöglichkeiten für Blumen und Pflanzen wird der Absatz über das Internet immer stärker diskutiert. Oft wird in diesem Zusammenhang der klassische Einzelhandel als nicht mehr zeitgemäß und als tot beschrieben. Dass dem nicht so ist, zeigen die jüngsten Umsatzprognosen des Handelsverbands Deutschland. Er prognostiziert ein Wachstum des Einzelhandels von zwei Prozent für 2018 bei annähernd gleichbleibender Verkaufsfläche. Das bedeutet ein Wachstumsplus das neunte Jahr in Folge.

Produkte erfahren

Selbst von den jungen deutschen Konsumenten (19 bis 25 Jahre) kaufen 70 Prozent stationär, weil sie die Produkte ansehen, erfahren und ausprobieren möchten. Darüber hinaus genießen sie es, eine gute Zeit beim Einkaufen zu haben und sehen "Shoppen" als Freizeitgestaltung an.

Entsprechend werden Onlineshops mittlerweile von immer mehr Händlern lediglich als mögliche Ergänzung des eigenen stationären Einzelhandels gesehen. Man ist sich sicher, dass der E-Commerce weiter wachsen wird, das Wachstum aber je nach Kategorie schon bald an seine Grenzen kommen wird. Bereits 2021 wird mit einer einsetzenden Marktsättigung gerechnet. Laut Schätzungen wird der Anteil des E-Commerce 2025 bei insgesamt 15 Prozent des Einzelhandelsumsatzes liegen. Heute liegt er laut dem Marktforschungsinstitut GfK bei zirka 9 Prozent.

Im stationären Handel ist bereits zu beobachten, dass sich viele Betriebe auf ihre eigentlichen Stärken besinnen und weiter in Beratung und Nähe zum Kunden investieren.

Das stationäre Geschäft wird zunehmend als Einkaufs- und Begegnungsstätte für Events und Erfahrungen ausgerichtet. "Erfahrungen pro Quadratmeter" ist die neue Erfolgs-Philosophie, mit der der stationäre Handel punkten will. Dieser Philosophie untergeordnet sind dann alle anderen Verkaufsthemen wie regionale Pflanzen, "Urban Gardening", "Smart Gardening", "Outdoor-Living" und so weiter.