08.01.2019

Die ältesten Aquarienfische stammen von der asiatischen Silberkarausche ab

Goldfische sind die beliebtesten Heimtiere weltweit

Die ältesten Aquarienfische der Welt stammen von der asiatischen Silberkarausche ab und gehören zu den Karpfenfischen. Foto: FLH

Das runde Goldfischglas des 18. Jahrhunderts ist längst aus Tierschutzgründen verboten. Heute tummeln sich die beliebten Goldfische in Süßwasseraquarien oder im Gartenteich. Ungebrochen ist die Faszination, die sie auf Kinder und Erwachsene gleichermaßen ausüben.

Die ältesten Aquarienfische der Welt stammen von der asiatischen Silberkarausche ab und gehören zu den Karpfenfischen. Schon vor hunderten von Jahren gab es vereinzelte rotorange Varianten der ansonsten grünbraunen bis schwarzgrauen Silberkarausche. Diese Fische galten in Asien als heilig. Ab dem 11. Jahrhundert züchteten die Chinesen sie gezielt weiter. Anfangs waren es Kostbarkeiten, die nur Adelige in ihren Gartenteichen oder in Porzellangefäßen halten durften. Später gab es dann in fast jedem chinesischen Haushalt einen solchen Fisch.

Im 17. Jahrhundert wurden die Goldfische auch in Europa eingeführt und verzückten zunächst die Reichen in den vornehmen Salons. Die schönen Exoten wurden rasch ein begehrtes Statussymbol. Auch Madame Pompadour soll sie als Geschenk von einer Expedition nach China erhalten und in ihrem Boudoir präsentiert haben. Die roten Fische zu halten, wurde schnell eine richtige Mode, die sich über den ganzen Kontinent ausbreitete. Heute ist der Goldfisch das häufigste Heimtier der Welt.

Goldfische können sehr unterschiedlich aussehen, denn mittlerweile gibt es mehr als 250 verschiedene Zuchtformen. Ihre schillernden Farben reichen von leuchtend rot über rotorange bis gelblich, aber es gibt auch schwarze und schwarz-weiß Gefleckte. Nachdem sie aus dem Laich geschlüpft sind, sind die Tiere allerdings erst einmal durchsichtig. Die Jungfische färben sich dann zunächst dunkel, denn diese Pigmentierung der oberen Hautschichten ist eine gute Tarnung. Nach und nach verändert sich die Farbe und die Pigmente der tieferen Hautschichten werden sichtbar. Dieser Prozess kann bis zu drei Jahren dauern.

Da Goldfische gerne in Gruppen leben, müssen mindestens drei Tiere zusammen gehalten werden. Foto: FLH

Auch die Größe der Fische kann variieren: Manche erreichen eine Länge von bis zu 40 Zentimetern. Wie groß ein Tier wird, hängt zum Teil auch vom Platzangebot der Umgebung ab. Die verschiedenen Züchtungen unterscheiden sich besonders durch die Schwanzflossen. Einige haben lange, gerade Schwänze, andere Fächerschwänze, Schleierschwänze oder kometenschweifähnliche Flossen. Es gibt auch Züchtungen, die Verdickungen wie kleine Polster an ihren Köpfen aufweisen und passenderweise Löwenköpfe genannt werden. Andere Formen besitzen wiederrum große, teleskopartige Augen.

Platz für Bewegungsdrang

Damit die beliebten Fische sich beim Menschen wohlfühlen, braucht es nicht viel. Um ihren Bewegungsdrang ausleben zu können, benötigen sie allerdings ausreichend Platz im Teich oder Aquarium. "20 bis 50 Liter Wasser sollten jedem Tier zur Verfügung stehen", erklärt Bernd Schmölzing von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e.V. (FLH). "Da Goldfische gerne in Gruppen leben, müssen mindestens drei Exemplare zusammengehalten werden." Es ist ratsam, das Wasser bei einem neu angelegten Aquarium etwa drei Wochen vor Fischbesatz einzufüllen. So kann sich ausreichend Mikrofauna bilden, die für einen gesunden Wasserhaushalt wichtig ist. Bei gechlortem Wasser gibt es im Zoofachhandel spezielle Mittel zur Aufbereitung. Ansonsten benötigt das Aquarium nur einen Filter und in regelmäßigen Abständen sollte etwa ein Drittel des Wassers ausgetauscht werden. Was die Temperatur angeht sind Goldfische extrem flexibel, so dass im Becken keine Heizung nötig ist. Einen dicken Boden mit Kies, Sand, Steinen, Wurzeln und Pflanzen mögen die Goldfische besonders, da sie gerne gründeln, den Boden aufwühlen und an Pflanzen knabbern. Ein so eingerichtetes Aquarium kann der Beginn einer langen Freundschaft sein. Denn Goldfische können tatsächlich sehr alt werden: 30 Lebensjahre oder mehr sind keine Seltenheit.

Goldfische besitzen, wie alle Karpfen, keinen Magen. Deswegen findet die Verdauung ausschließlich im Darm statt. Damit sie in der freien Natur ausreichend Futter finden, sind ihre Augen hochentwickelt und auf die Nahrungssuche im trüben Wasser spezialisiert. Sie können besser sehen als Menschen. Während wir vor dem Aquarium stehen und die Tiere mit den Sehzellen für rot, blau und grün betrachten, haben sie einen zusätzlichen Sehzellentyp, der UV Licht wahrnehmen kann. Hiermit entgehen ihnen auch die kleinsten Wasserflöhe und Plankton nicht - selbst, wenn sie gegen eine blendende Wasseroberfläche blicken.

Goldfische gründeln gern und wühlen dabei den Boden auf. Deshalb ist eine dicke Schicht Kies, Sand oder Steine im Aquarium empfehlenswert. Foto: FLH

Gehörsinn

Dass Goldfische und auch alle anderen Fische nicht hören können, ist ein Gerücht. Eine Ohrmuschel sucht man zwischen den Schuppen allerdings vergeblich, denn es gibt nur ein Innenohr. Dies ist über winzige Knöchelchen mit der Schwimmblase verbunden. Wenn Schallwellen durch das Gewebe zur Schwimmblase dringen, versetzen sie diese in leichte Schwingungen, die über die Knöchelchen zum Innenohr weitergeleitet werden. "Schon die alten Chinesen machten sich den Gehörsinn ihrer Goldfische zu Nutze und riefen die Tiere mit einem Glöckchen zur Fütterung an den Teichrand", so Schmölzing. Auch Aquarienfische lernen heute schnell bestimmte Geräusche mit der Futtergabe zu verbinden. Kinder freuen sich sehr, wenn sie mit einem leichten Klopfen an die Futterdose ihren Fisch in eine bestimmte Ecke des Beckens locken und dort füttern können. "Nach neueren Untersuchungen reagieren die Tiere allerdings auf Geräusche wie Bassdröhnen empfindlich. Orientierungslosigkeit ist häufig die Folge. Deshalb sollten die Boxen der Stereoanlage nicht unbedingt direkt neben dem Aquarium stehen", rät der Experte. FLH